Montag, 21. Juli 2008

Ich hasse Abschiede ...

Ich habe Abschiede noch nie gemocht und auch mein Freund M. nicht.
Die Tage bei ihm in Dresden waren, man mag es kaum glauben, "schön".
Es war gut, dass ich zu ihm gefahren bin. Er hat noch einmal alle seine Kräfte mobilisiert, weil er wusste, dass ich ihn besuchen würde.
So stand die Wiedersehensfreude in den ersten beiden Tagen völlig im Vordergrund. Wir konnten noch einmal gemeinsam Lachen und einmal sogar "Mensch ärger Dich nicht" spielen.
Zwar habe ich die Figuren gesetzt, aber er hat wenigstens alleine gewürfelt.
Ich konnte ihm viel menschliche Wärme und Nähe geben und er hat sich so gefreut, dass ich ihm beim Waschen, Anziehen, Krankengymnastik und Essen gefholten habe. Ich habe ihn massiert und manchmal einfach nur schweigend seine Hand gehalten. Ich war rund um die Uhr bei ihm und er hat sich bedankt, dass ich ihn nicht alleine gelassen habe.
Wir haben auch über den Tod geredet und alles, was dann zu regeln ist.
Dann kam der Einbruch und es ging ihm stündlich und zusehends schlechter.
Als ich ihn verlassen musste, weil ich meinen Zug bekommen musste, da hat er mich kaum noch wahrgenommen. Er hatte starke Schmerzen und bekam Morphium gespritzt.
Zwar habe ich ihm gesagt, dass ich bald wieder komme, doch ich weiß nicht, ob er das noch verstanden hat.

Auf der einen Seite hoffe ich, dass er bald schmerzfrei entschlafen wird und auf der anderen Seite hoffe ich, dass ihn noch einmal sehen darf, denn ich habe gestern ein Flugticket für den nächsten Sonntag gebucht. Werde dann noch einmal bis Freitag bei ihm bleiben. Mehr kann ich leider nicht für ihn tun.

Ich bin dankbar, dass ich die Gelgenheit hatte, diesen wunderbaren Menschen zu einem meiner beiden besten Freunde zu zählen und zwölf wunderschöne Jahre erinnern zu können und auch dass ich von ihm auf so liebevolle Art und Weise Abschied nehmen durfte.
Wir waren uns in den vergangenen Tagen sehr nah und ich hätte so gerne mehr für ihn getan.

Wenn ich diesmal zu ihm reise, werde ich seine Wohnung kündigen und ein paar Dinge erledigen, um die er mich gebeten hat. Dass er sich wieder erholen wird, daran glaube ich nicht, denn seit Donnerstag steht fest, dass er auch Metastasen in der Speiseröhre hat und daher kann er keine feste Nahrung mehr zu sich nehmen.
Auch weiß ich nicht, ob er noch merken wird, wenn ich wieder bei ihm bin. Doch nichts und niemand auf der Welt könnte mich davon abhalten, bei ihm zu sein und seine Hand zu halten wenn er seinen schweren Gang gehen muss.
Denn er selbst hat betont, wie gerne er noch etwas Zeit zum Leben gehabt hätte.

Bei seinen Großeltern und Eltern muss man irgendwann damit rechnen, dass sie sterben werden. Doch wer rechnet schon bei einem Freund Anfang vierzig damit? Irgendwie habe ich geglaubt, wir würden noch ein halbes Leben lang gemeinsam lachen und reisen, einander trösten und Mut machen können.

Trösten konnte ich ihn und sogar ein wenig mit ihm Lachen, Mut machen konnte ich ihm diesmal leider nicht.

Diese vielen innigen Stunden werde ich nie vergessen und auch nicht diese nun so schwache Hand die in meiner ruhte und die mich so fest hielt, wie sie konnte, weil sie mich nicht gehen lassen wollte.

Erschreckend finde ich noch immer die Tatsache, dass vom Tag der Diagnosestellung bis zum Pflegefall nur wenige Tage lagen. Auf der anderen Seite ist es wohl besser so, als monatelanges Siechtum.

Danke für Eure lieben und tröstenden Worte und Eure Anteilnahme. Gebt auf Euch und Eure Lieben Acht!

Montag, 14. Juli 2008

Und plötzlich muss man Abschied nehmen ...

Auch wenn jeder von uns weiß, dass das Leben endlich ist, so war es doch ein großer Schock für mich, als ich am Wochenende erfuhr, dass einer meiner beiden besten Freude (43 Jahre alt) vielleicht bald nicht mehr da sein wird.
Wir kennen uns nun seit vielen Jahren und haben eine ganz besonders innige Freundschaft. Jeder war stets für den anderen da - immer!

Bis vor ein paar Wochen war auch noch alles in Ordnung. M. fühlte sich ein wenig schlapp und kurzatmig, was er auf sein Übergewicht zurückführte. Also machte er eine Diät und nahm in kürzester Zeit 12 kg ab. Die Atemnot wurde schlimmer. Dann kamen vor zwei Wochen starke Rückenschmerzen dazu, die niemand lindern konnte.

Nach drei Ärzten kam er dann in die Klinik wo ein CT gemacht wurde.
Man diagnostizierte Tumore am Herzen, wovon einer verhinderte, dass die linke Herzklappe sich schließen konnte. Daher die Atemnot. Beide Nieren tumorös, Metastasen in der Lunge und einen Tumor im Spinalkanal.

Der Tumor der die Atemnot verursachte, weil das Herz nicht richtig arbeiten konnte, wurde entfernt. Alles andere hat man gar nicht erst angerührt.
Wenige Tage nach der OP war der Tumor im Spinalkanal derart gewachsen, dass der Mann querschnittgelähmt ist.

Bestrahlung und Chemo macht man zwar mit ihm, doch der einzige Erfolg den man ihm in Aussicht stellt ist der, dass er eventuell seine Beine wieder benutzen können wird. Ich hoffe von ganzem Herzen mit ihm, dass es so ist.

So kann ein Zweimetermann innerhalb 14 Tagen zum gebrochenen Mann und Pflegefall werden.
Morgen fahre ich zu ihm und bleibe bis Freitag dort.

Freundschaft ist ein so wertvolles Gut. Bewahrt Sie Euch, so lange es geht und sagt Euren Freunden mal wieder, was sie Euch bedeuten. Wer weiß, wie lange Ihr noch Gelegenheit dazu habt?!

Montag, 28. April 2008

Auf die Schnelle ...

Kind wieder daheim, aber noch angeschlagen. Müssen auch morgen wieder in die Klinik.
Dank einer netten "Babysitterin" hatte ich ein endgeiles Wochenende.
Donnerstagabend Theater, Freitag ein Jazzkonzert in einem Club, Samstag Stammtisch, Sonntag saufaul und ruhig. Ach was tat mir das gut.
Das Schlafdefizit werde ich aufholen und auch versuchen ein wenig vor zu schlafen, denn in wenigen Tage geht es nach HH. Da ist an Schlaf auch nicht zu denken. ;)

Beste Grüße in die Runde und vielen Dank für die netten Wünsche. Der Täter wurde von der Schule bereits angezeigt.

Euch allen einen tollen Wochenstart!!!!

Mittwoch, 23. April 2008

Und weiter geht es im Text ...

Als erstes will ich erwähnen, dass mein Sandwichkind heute auf normale Station verlegt wird.
Es wurden nach gründlicher erneuter Untersuchung weder Frakturen noch innere Verletzungen festgestellt. Also bleibt es bei einer schweren Gehirnerschütterung mit den üblichen Symptomen, Prellungen und Hämatomen und den damit verbundenen Schmerzen. Den Göttern sei Dank.
Und da mein Dad und meine Schwester sich heute den Besuchsdienst mit mir teilen, kann ich wieder ein wenig durchatmen und den Tag etwas ruhiger angehen lassen.

Rückblende: Setzt man Kinder in die Welt, ist man gemeinhin Vater und Mutter und darf sich auch als solche bezeichen. So hielten auch wir das ... bis gestern!
Auch wenn wir seit 14 Jahren geschieden sind, habe ich den Erzeuger meiner beiden Großen immer als Vater bezeichnet. Und das, obwohl er sich nie um unsere Kinder gemümmert hat.

Als ich von der Schule informiert wurde, dass Sohn Nr. 2 im Krankenwagen ins Krankenhaus gefahren wird weil er bewusstlos geschlagen wurde, rief ich pflichtbewusst den bis dahin sich Vater schimpfenden Erzeuger des Jungen an.
Ich hielt das, wie gesagt für meine Pflicht ihn zu informieren. Immerhin haben wir das geteilte Sorgerecht.
Erzeuger nahm meinen Anruf zur Kenntnis, hatte aber an dem Tag (er hat Urlaub) Termin und wollte am Folgetag zu seinem Sohn ins KKH fahren. Er schien irgendwie ehrer genervt und gelangweilt, als würde ich ihn stören. Das alleine fand ich schon heftig, denn zunächst bestand ja Verdacht auf Schädelbruch bei dem Kind.
Gestern morgen dann..., ich war auf dem Weg zu meinem Sohn, rief ich also seinen Erzeuger an um ihn zu bitten nachmittags zu seinem Sohn zu fahren, damit wir nicht beide gleichzeitig da sind und der Junge merkt, dass immer jemand bei ihm ist. Abwechseln schien mir logisch.
Aber ich staunte nicht schlecht, als Erzeuger mich anmaulte, weil ich ihn nicht informiert hätte, das sein Sohn im KKH läge. Seine Mutter hätte ihm das gerade mitgeteilt.

Ich war fassungslos und mir blieb der Mund offen stehen. Einen Augenblick zweifelte ich sogar an meinem eigenen Verstand. Da ich in der S-Bahn war, bemühte ich mich um einen ruhigen Ton, als ich mich wieder gefasst hatte.

ICH: "Ähm ... Willst Du mich jetzt verarschen? Ich habe Dich gestern umgehend informiert und Du sagtest, Du würdest heute erst in die Klinik fahren."
ER: "Ich weiß von nix."
ICH: "Sag mal. Hast Du ein Problem?"
ER: "Ich habe kein Problem, aber Du offensichtlich."
ICH: "Wir haben uns auch nur kurz über Sohn Nr.1 und seinen bevorstehenden Geburtstag unterhalten."
ER: "Du kannst ja viel behaupten."
ICH: "Erstens behaupte ich nichts und zweitens kann ich das ja anhand meines Einzelverbindungsnachweises belegen."
ER: "Würd ich jetzt auch sagen. Den will ich mal sehen. Ich weiß von nix."
ICH: "Also ich fasse es nicht. Wir haben bestimmt 5 Minuten gesprochen."
ER: "Wann und wo willst Du mich denn angerufen haben?"
ICH: "Gegen 14 Uhr auf Deinem Festnetzanschluß."
ER: "Wenn meine Mutter mich nicht informiert hätte, dann wüsste ich nicht, was mit dem Jungen passiert ist. Ich fahre jetzt ins KKH."
ICH: "Ich wollte Dich bitten erst nachmittags zu fahren. Dann können wir uns den Tag aufteilen."
ER: "Ist mir egal. Ich fahre jetzt."
ICH: "Dann ruf Deine Mutter bitte an und kläre das auf. Denn ich habe Dich angerufen."
ER: "Ich kläre gar nichts auf. Ich weiß von nix."
ICH: "Dann hast Du wirklich ein ernstes Problem."
ER: AUFGELEGT!

Ich sitze also bis nachmittags um vier bei meinem Jungen am Bett. Erzeuger kommt nicht. Vielleicht hat er ja vergessen, wo er hin wollte, genauso wie er vergessen hatte, dass ich angerufen habe???
Dann kommt er doch noch an. Sagt weder guten Tag noch würdigt er mich eines Blickes.
Ganze 60 Sekungen stand er bei seinem Sohn am Bett. Hat zwei Sätze zu ihm gesagt und dann war er wieder weg.
Sohn Nr.2 und ich haben uns anschliessend darauf geeinigt, dass der Vater künftig nur noch Erzeuger genannt wird und man keinen Kontakt mit ihm wünscht.
Auch Sohn Nr.1 sah das abends ähnlich. Denn auch er hatte mit bekommen, dass ich den Erzeuger angerufen hatte.

Es gibt noch so viele ähnlich derbe Erfahrungen mit dem Erzeuger meiner Kinder, so dass meine Söhne nun von ganz alleine auf den Kontakt zu diesem Herrn verzichten. Er hat einfach unzählige Chancen verspielt. Traurig aber wahr.
Und heute kann ich nur noch mit dem Kopf schütteln und mich fragen, was ich an diesem Mann mal geliebt habe. (Der Erzeuger meiner Kinder ist Alkoholiker. Leugnet das aber nach all den Jahren noch immer und säuft fleissig weiter.)

Meinem Kind geht es besser und er muss nur noch ein paar Tage zur Beobachtung und Erholung in der Klinik bleiben. Aber auch das stehen wir, wie bisher alles andere auch, alleine durch.

Alleinerziehende Mutter von drei Kindern zu sein ist zwar nicht immer leicht, doch es ist um längen besser, als einen unfähigen Mann an seiner Seite zu haben. Es gibt Tage, da bin ich froh, dass mir kein Kerl in die Erziehung mein (und ich sage hier bewusst MEINER und nicht UNSERER) oder irgendwas reinquatschen kann.